10/29/2026

Acht Jahre nach der Festlegung ihrer fünf Prinzipien zur Steuerverantwortung veröffentlicht die Ethos Stiftung eine neue Fassung ihres Engagement Papers. Sie tut dies kurz vor Ablauf der Frist, bis zu der die ersten nach EU-Recht vorgeschriebenen länderbezogenen Berichte veröffentlicht werden müssen. Die neue Fassung stellt höhere Anforderungen an Governance und Transparenz und dient zugleich als Bewertungsinstrument. Sie bildet die Grundlage für eine Studie zu den 46 grössten kotierten Unternehmen der Schweiz, die bis Ende Jahr erscheinen wird.

Seit 2018 ist die Steuerverantwortung der Unternehmen ein wichtiger Schwerpunkt des Aktionärsdialogs, den die Ethos Stiftung mit kotierten Unternehmen führt, ebenso wie Corporate Governance, Klimawandel oder digitale Verantwortung. Aggressive Steueroptimierung stellt für Unternehmen und damit auch für ihre Aktionärinnen und Aktionäre ein erhebliches Reputations- und Finanzrisiko dar. Ethos ist deshalb der Ansicht, dass es zur treuhänderischen Pflicht der Investoren gehört, von den Unternehmen zu verlangen, ihre Steuern dort zu zahlen, wo sie ihre Tätigkeit ausüben und ihre Gewinne erzielen.

Um den Dialog mit den Führungsgremien der kotierten Unternehmen zu strukturieren, legte Ethos bereits 2018 fünf Prinzipien zur Steuerverantwortung fest. Acht Jahre später veröffentlicht Ethos nun eine aktualisierte Fassung ihres Engagement Papers und ihrer Anforderungen. Diese berücksichtigt die Weiterentwicklung der Regulierung, vor allem auf internationaler Ebene, die Veränderungen in der Unternehmenspraxis und die deutliche Zunahme der sozialen Ungleichheiten.

Neu formuliert wurden vor allem die beiden ersten Prinzipien. Das erste verknüpft die Steuerstrategie nun mit der Geschäfts- und Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. Das zweite beschränkt sich nicht mehr auf die Aufnahme in den Verhaltenskodex, sondern verlangt auch die Veröffentlichung der Grundsätze für die Steuerverantwortung sowie strenge und unabhängige Kontrollmechanismen. Diese beiden aktualisierten Prinzipien ergänzen die drei bestehenden: Das Unternehmen zahlt seine Steuern dort, wo wirtschaftlicher Wert generiert wird (Prinzip 3). Konzerninterne Transaktionen erfolgen zu Marktbedingungen (Prinzip 4). Das Unternehmen veröffentlicht die Höhe der gezahlten Steuern für jedes Land separat (Prinzip 5).

Konkret erwartet Ethos eine veröffentlichte, konzernweit geltende Steuerpolitik und die ausdrückliche Bezeichnung des verantwortlichen Organs. Die Umsetzung ist einem Mitglied der Geschäftsleitung zu übertragen, und der Zusammenhang mit den Nachhaltigkeitszielen muss erläutert werden. Das Unternehmen muss zudem seinen Umgang mit Steuerrisiken beschreiben, also wie es diese ermittelt, bewältigt und nachverfolgt, sowie das interne oder externe Überprüfungsverfahren für seine steuerlichen Veröffentlichungen. Bei der länderbezogenen Berichterstattung begnügte sich die erste Fassung noch mit einem allgemeinen Grundsatz. Die neue Fassung legt nun den länderbezogenen Bericht der OECD (Country-by-Country Reporting) als Referenz fest und bestimmt, welche Ersatzlösungen in welcher Rangfolge zulässig sind: Angaben nach Region oder für die wichtigsten Tätigkeitsländer des Unternehmens. Sie definiert ausserdem Best Practices, die über die gesetzlichen Pflichten hinausgehen: einen qualitativen Kommentar, den gesamten Steuerbeitrag (getragene und im Namen Dritter erhobene Steuern) sowie den effektiven Steuersatz pro Land mit einer Erklärung der Abweichungen.

Weiterhin grosses Verbesserungspotenzial

«Die erste Fassung unseres Engagement Papers erschien zu einer Zeit, in der Steuerfragen noch selten als eigenständiges Thema nachhaltiger und verantwortungsvoller Anlagen galten», betont Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos Stiftung. «Seither haben sich Transparenz und Governance in Steuerangelegenheiten bei vielen kotierten Unternehmen dank des Aktionärsdialogs und regulatorischer Verschärfungen zwar verbessert. Das Verbesserungspotenzial ist aber nach wie vor gross.»

Eine weitere wichtige Neuerung gegenüber der ersten Fassung: Das Engagement Paper formuliert nicht mehr nur Prinzipien, sondern dient auch als Instrument zur Bewertung der Unternehmenspraxis. Ein neues Kapitel übersetzt jedes Prinzip in einen Katalog konkreter Fragen, anhand derer sich die Steuerpolitik der Unternehmen beurteilen lässt.

Auf dieser Grundlage wird Ethos die Praxis der 46 grössten kotierten Unternehmen der Schweiz (SMI Expanded) bewerten und bis Ende Jahr eine Studie mit einem Benchmark veröffentlichen. Parallel dazu wird Ethos, getreu ihrem Ansatz, den konstruktiven Dialog mit den kotierten Unternehmen zur Steuerverantwortung fortsetzen, um sie zu ermutigen, über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinauszugehen.

Engagement Paper: Steuerverantwortung der Unternehmen

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